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Das Projekt Rekonstruktion
eines germanischen Gehöftes in Elsarn ist Teil des Gesamtkonzeptes des
Kulturparks Kamptal, der von sechzehn Gemeinden - von Langenlois bis Horn -,
der Krahuletz-Gesellschaft Eggenburg, dem Stift Altenburg und dem Schloss
Greillenstein gemeinsam getragen wird. In der Ortschaft Elsarn der Gemeinde
Straß im Straßertale wurde in diesem Rahmen ein germanisches Gehöft der
römischen Kaiserzeit als Freilichtmuseum geplant.
Die Gebäude wurden in mehreren Baukampagnen von Studenten des Institutes für
Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien unter Mithilfe der Einwohner von
Elsarn in den Jahren 1996 bis 2001 errichtet. Die Schaugärten mit alten
Kulturpflanzen wurden von der Arbeitsgruppe Archäobotanik des Instituts für
Botanik der Universität für Bodenkultur Wien konzipiert und angelegt. Ein
Naturlehrpfad im bewaldeten Bereich zeigt, welche wildwachsenden Baum- und
Straucharten für den Hausbau und das Handwerk genutzt wurden.
Das Freilichtmuseum soll Einblicke in das Alltagsleben der bäuerlichen
Bevölkerung des 2. und 3. Jahrhunderts nach Christus im Gebiet nördlich der
mittleren Donau geben. Im Vordergrund stehen dabei die Architektur der
Gebäude, das Haushandwerk und die ökonomischen sowie ökologischen Grundlagen
der Menschen der Vergangenheit. Die Rekonstruktion des germanischen
Bauernhofes beruht auf archäologischen Befunden der römischen Kaiserzeit aus
dem nördlichen Mitteldonaugebiet. Beim Bau der Objekte wurden vor allem
Baumaterialien und Werkzeugtypen verwendet, für die es an
frühgeschichtlichen Fundplätzen archäologische Nachweise gibt. Die
Errichtung der Anlage bot auch die Möglichkeit für
experimentalarchäologische Versuche zur Technologie der Holzbearbeitung und
Landwirtschaft dieser Zeit.
In Elsarn soll mit dieser Freilichtanlage ein Ausflugsziel geschaffen
werden, das für Gäste und Einheimische in gleicher Weise eine Bereicherung
des Freizeit- und Bildungsangebotes für die ganze Familie mit sich bringt.
Projektierung: Marktgemeinde Straß im Straßertale in Zusammenarbeit mit dem
Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien, der Arbeitsgruppe
Archäobotanik des Instituts für Botanik der Universität für Bodenkultur und
dem Kulturpark Kamptal
Die Germanen im Kamptal. Wer waren sie, wann und woher kamen sie?
Unter dem Sammelbegriff „Germanen" werden in der römischen Kaiserzeit und
Völkerwanderungszeit (1.-5. Jahrhundert nach Christus) verschiedene Völker
und Stämme in Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien gefasst.
Der römische Historiker Tacitus schrieb um 100 nach Christus seine
„Germania'', die heute eine der wichtigsten historischen und
ethnographischen Quellen über die Germanen darstellt. Er berichtete, dass
ursprünglich eine Gruppe kleinerer Stämme im heutigen Belgien „Germanen"
geheißen hätten (Germani cisrhenani). Dieser Name sei sodann von den
Galliern und Römern auf sämtliche Stämme übertragen worden, die die Germania
Magna besiedelten, einem Gebiet, das sich von der nördlichen Reichsgrenze
des römischen Imperiums jenseits des Rheins und der Donau bis hin zur
Weichsel erstreckte. Es gibt jedoch keine antike Schriftstelle, die besagt,
dass die Germanen sich selbst auch Germani nannten.
"Östlich der Hermunduren sitzen die Narister und darauf folgen die
Markomannen und die Quaden. Sie bilden die Stirnseite Germaniens nach Süden
an der Donau..." so Tacitus im Jahre 98 n. Chr.
Durch innergermanische Auseinandersetzungen und Völkerbewegungen um Christi
Geburt ließen sich im Laufe des l. Jahrhundert nach Christus
markomannisch-quadischen Gruppen in Mähren, in der Slowakei und im
nördlichen Niederösterreich nieder. Bis ins 5. Jahrhundert nach Christus
gehörte das norddanubische Niederösterreich zum Siedlungsgebiet der
Markomannen und Quaden. Charakteristisch für diese Zeit waren intensive
wirtschaftliche und kulturelle Kontakte zum römischen Reich, die die
Lebensweise und die gesellschaftliche Entwicklung beider Stämme erheblich
beeinflussten. Unterbrochen wurden diese Beziehungen durch die
Markomannenkriege von 166 bis 180 nach Christus. Durch gezielte Feldzüge
über die Donau, die der römische Kaiser Marc Aurel selbst anführte,
versuchte Rom die Grenze an der mittleren Donau wiederherzustellen.
Siedlungs- und Grabfunde aus Etsdorf, Feuersbrunn, Grafenwörth, Hohenwarth,
Kammern, Landersdorf, Langenlois, Ronthal, Schiltern, Seebarn, Straß im
Straßertal, Zeiselberg und Zemling belegen eine intensive germanische
Siedlungstätigkeit vom 1. bis ins 5. Jahrhundert nach Christus in der
Umgebung von Elsarn. Rechteckige Grabenanlagen von römischen
Befestigungsbauten in Fels am Wagram und Plank am Kamp belegen die wichtige
strategische Bedeutung des Gebietes für die Römer.
Siedlungswesen und Hausbau
Nördlich der mittleren Donau befanden sich neben geschlossenen Dorf- und
Weilersiedlungen vor allem Einzelgehöfte, die von der bäuerlichen
Lebensweise geprägt waren. Als Siedlungsplätze wurden Erhebungen oder
Terrassen entlang von Flusslandschaften (z.B. Zwingendorf, Seebarn),
Randgebiete von Beckenlandschaften, höher liegende Geländesporne (Heidenstatt-Limberg)
und Höhenlagen (Burgstall-Schiltern, Oberleiserberg bei Ernstbrunn)
bevorzugt.
Ein Bauernhof bestand zumeist aus einem Wohngebäude, mehreren Grubenhäusern
und einem Pfostenspeicher sowie Nebeneinrichtungen. Die Größe eines
Einzelgehöftes wurde in Bernhardsthal mit zwei Hektar errechnet. Das Zentrum
bildete das Wohngebäude, in dem ein Wohn-, ein Wirtschafts- und ein
Stallbereich untergebracht sein konnten. Der Befund für das rekonstruierte
Wohnhaus in Elsarn stammt aus der germanischen Siedlung in Bernhardsthal.
Das Gebäude war etwa 10,7 m lang sowie rund 5,8 m breit. Die Längswände des
Originalbefundes bestanden aus je zehn bis zu 35 cm tief im Boden erhaltenen
Pfostenlöchern. Im Inneren fanden sich drei Pfostenstellungen, an den beiden
Schmalseiten jeweils drei Doppelpfostenstellungen.
Zu den charakteristischen Nebengebäuden zählten im norddanubischen
Niederösterreich sechspfostige Grubenhäuser, deren Bodenniveau bis zu einem
Meter eingetieft sein konnte. Die Baugruben waren 10 bis 16 qm groß, meist
West-Ost orientiert und von rechteckigem Grundriss. An der südlichen
Längsseite befand sich meist der abgetreppte Eingang. Die Wände wurden aus
Flechtwerk mit oder ohne Lehmbewurf gebildet, es gibt jedoch auch Nachweise
für Ständerbohlen- oder Blockbautechnik. Herdstellen konnten selten
nachgewiesen werden. In diesen Bauten fanden sich immer wieder Hinweise auf
bäuerliches Handwerk wie z.B. Textil- und Beinverarbeitung, aber auch
Erntevorräte. Die Grubenhäuser in Elsarn wurden nach Vorlagen aus Vyskov in
Mähren und aus Hanftal bei Laa an der Thaya rekonstruiert. Weitere
Einrichtungen waren wohl überdachte Werkplätze für Keramikherstellung und
Eisenverarbeitung sowie Kalkbrennerei und Brotbacköfen. Für die Aufbewahrung
der Vorräte legte man Speichergruben, gestelzte Pfostenspeicher sowie Stroh-
und Heulagerplätze an.
Nahrungsproduktion
Ackerbau und Viehzucht lieferten die Lebensgrundlagen für die germanischen
Siedler. Die annähernd quadratischen oder trapezförmigen Felder waren von
sehr breiten und leicht gewölbten Rainen eingefasst. Sie lagen meist in der
Nähe des Hofes. Mit den damals üblichen Hakenpflügen wurden die Felder
kreuzweise gepflügt, die breiten Raine ermöglichten dem Pfluggespann das
häufige Wenden. In manchen Gegenden waren Feldfluren durch Zäune gegen
eindringendes Vieh geschützt. Kleine umzäunte Flächen dürften als Gärten
genutzt worden sein.
Die Ackerflächen konnten nicht jährlich bebaut werden. Zur Regeneration der
Bodenfruchtbarkeit mussten Brachephasen eingelegt werden. Stoppelfelder und
brachliegende Äcker wurden wahrscheinlich beweidet, um dem Boden Nährstoffe
zuzuführen. Auch eine "echte" Düngung der Felder mit Stallmist und
Haushaltsabfällen war üblich. Wo es die Bodenverhältnisse erforderten,
wurden die Äcker mit Kalk oder Humus angereichert ("Plaggenwirtschaft"). Auf
den fruchtbaren Lößböden des Weinviertels dürften die Einhaltung von
Brachephasen, die Düngung mit Stallmist und auch der alternierende Anbau von
stickstoffbindenden Hülsenfrüchten (Erbse, Linse, Saubohne) ausreichend
gewesen sein. Wahrscheinlich hat man sich auch die Vorteile einer
Kombination von Sommer- und Wintergetreideanbau zunutze gemacht, um einen
besseren Schutz gegen witterungsbedingte Ernteausfälle und um höhere Erträge
sowie eine gleichmäßigere Verteilung des Arbeitsaufwandes über das
landwirtschaftliche Jahr zu erzielen.
Die Felder scheinen von der Aussaat bis zur Ernte sorgfältig gepflegt worden
zu sein (z.B. händisches Ausjäten der Unkräuter). Bei der Getreideernte
wurden die Halme - wohl auch zur Strohgewinnung - in Bodennähe geschnitten.
Als Erntegeräte kamen Sicheln und Sensen, bei der Weiterverarbeitung
Dreschflegel und Wurfschaufel zum Einsatz. Das Erntegut wurde in
Pfostenspeichern und Vorratsgruben sowie im Wohntrakt oder Dachboden des
Haupthauses aufbewahrt.
Honigproduktion
Als Süßstoff und zur Herstellung alkoholischer Getränke (Met) war Honig ein
äußerst begehrtes Lebensmittel. Archäologisch nachgewiesen sind Bienenkörbe
aus Stroh und Weidenruten, aber auch ausgehöhlte Stammstücke ("Klotzstülper"),
die den Übergang von der Waldbienenwirtschaft zur Hausbienenhaltung
kennzeichnen.
Jagd und Fischfang
Die Jagd dürfte insgesamt nur wenig zur Ernährung beigetragen haben. Sie war
aber als Quelle von Rohstoffen von Bedeutung (Geweih, Knochen, Felle und
Sehnen). Eine vielseitige Nutzung dürften Wildarten wie Auerochse, Wisent,
Elch, Rothirsch, Bär, Reh und Dachs ermöglicht haben, während Luchs, Wolf,
Biber, Rotfuchs, Wildkatze sowie diverse Marderarten wohl vor allem wegen
ihres Pelzes gejagt wurden. Die Bedeutung der Fischerei ist mangels
Untersuchungen nur unzureichend bekannt.
Kultur- und Sammelpflanzen
Die Auswahl der angebauten Kulturpflanzen richtete sich nach den
Grundbedürfnissen der menschlichen Ernährung. Als ergiebige Energie- und
Kohlenhydratquelle dienten mehrere Getreidearten. Da Fleisch und Milch nicht
ständig zur Verfügung standen, wurde vor allem auf pflanzliche Eiweißquellen
(Hülsenfrüchte) zurückgegriffen. Lebenswichtige Fettsäuren wurden von
Ölpflanzen geliefert.
Verschiedene Gemüsearten, Obst, Nüsse und Beeren ergänzten den pflanzlichen
Speisezettel und steuerten wertvolle Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe
bei. Wie sehr der fortschrittliche Gartenbau der Römer die germanische
Landwirtschaft beeinflusst hat, ist noch umstritten. Gerade in grenznahen
Gebieten (Donau-Limes) ist eine frühzeitige Einflussnahme vorstellbar, wegen
des unzureichenden Forschungsstandes und der geringen
Erhaltungswahrscheinlichkeit von Gemüse- und Gewürzpflanzen aber noch kaum
nachgewiesen. Auch beim Obst fehlen bisher eindeutige Kulturnachweise.
Aus germanischen Siedlungen sind zahlreiche Getreidearten belegt, besonders
Gerste, Emmer, Einkorn, Rispenhirse, Hafer und Roggen. Aus dem Weinviertel
gibt es auch Dinkel- und Nacktweizenfunde. Das Hülsenfruchtspektrum umfasste
Erbse, Linse, Saubohne und Linsen-Wicke, an Ölfrüchten sind Lein und
Leindotter nachgewiesen. Als Gemüse- und Salatpflanzen dienten verschiedene
Melden-, Kohl- und Gänsefußarten, außerdem Sellerie, Löwenzahn, Brennnessel
und Karotte. Ob es sich bei den einzelnen Pflanzen um Kultur- oder
Wildformen handelte, ist nicht gesichert. Sammelpflanzen waren Brombeeren,
Haselnüsse, Himbeeren, Holunder und Erdbeeren. Als Bierwürze dürfte auch
Hopfen und als Heilpflanzen z. B. Eibisch und Bilsenkraut gesammelt worden
sein. Gezielt angebaut hatte man hingegen Färbepflanzen wie z. B. den Waid,
der zum Blaufarben von Textilien diente.
Haustiere
Der Haustierbestand der Germanen umfasste Rind, Schwein, Schaf, Ziege,
Pferd, Huhn, Gans, Hund und Katze. Das Rind war der wichtigste Fleisch- und
Milchlieferant, gefolgt von Schaf und Ziege, die vor allem in der Nord- und
Ostseeküstenregion stark vertreten waren. Schafe lieferten außerdem
wertvolle Wolle zur Textilerzeugung. In weiten Teilen Germaniens wurden auch
Schweine zur Fleisch- und Fetterzeugung gehalten. Rinder und Pferde wurden
als Arbeitstiere eingesetzt. Hauptsächlich diente das Pferd aber als
Reittier. Nach den römischen Schriftstellern Caesar und Tacitus waren die
germanischen Pferde weder schön noch übermäßig schnell, sie zeichneten sich
aber durch Ausdauer, Widerstandsfähigkeit und Futtergenügsamkeit aus. Die
Germanen hielten auch mittelgroße und große Hunde, die als Hof-, Hirten- und
Jagdhunde eingesetzt wurden, sowie bereits auch Katzen. Im 3. und 4.
Jahrhundert nach Christus wurden schließlich die größeren römischen Rinder,
darunter auch Ochsen, und die Zwerghunde aus den römischen Provinzen
eingeführt. Für die Versorgung der Haustiere spielte neben der Waldweide und
der Nutzung von Laub als Futtermittel (Schneitelwirtschaft) bereits das
Grünland für die Heugewinnung eine wesentliche Rolle. Dadurch konnten
größere Mengen von Vieh über den Winter gebracht werden.
Handwerk
Das Handwerk spielte im bäuerlichen Leben eine wichtige Rolle, da die
meisten Gerätschaften und Einrichtungsgegenstände am Hof hergestellt wurden.
Die Arbeiten erfolgten einerseits im Wohngebäude und in den Grubenhäusern,
andererseits auf überdachten Werkplätzen oder im Freien.
Die handwerklichen Tätigkeiten umfassten das Mahlen von Getreide, das Backen
von Brot, das Spinnen und Weben von Wolle, die Verarbeitung von Flachs, das
Flechten von Matten und Körben sowie die Verarbeitung von Rohmaterialien wie
Holz, Knochen und Geweih und Rohhaut. Auf manchen Gehöften wurden auch Eisen
und Buntmetalle verarbeitet.
Um Leder und Felle herzustellen, wurden die Häute von geschlachteten Tieren
entfleischt, getrocknet und eingesalzen. Je nach Verwendungszweck wurden
unterschiedliche Gerbverfahren wie Fett- und Hirngerbung oder Gerbung mit
pflanzlichen Zusätzen wie z.B. die Lohgerbung mit Eichen- oder Fichtenrinde
angewandt. Leder und Felle wurden zu Schuhen, Mützen, Gürteln, Zaumzeugen
und zu vielen anderen Gebrauchsgegenständen weiterverarbeitet.
Aus Geweih und Knochen wurden Messergriffe, Kämme, Pfrieme, Ahlen, Nadeln,
Knöpfe und Spielwürfel geformt. Holz wurde zu Webschwertern, Schäftungen,
Spaten, Schaufeln, Eggen, Wagen und Pflügen verarbeitet. Aus Holzdauben
wurden Eimer, Wannen und Fässer hergestellt. Auf der Drehbank erzeugte man
Möbelteile, Radnaben, Griffe und Gefäße.
Für die einzelnen Gerätschaften wurden je nach Eignung unterschiedliche
Holzarten ausgewählt.
Aus der Produktion des Schmiedes stammten Messer, Nägel, Schlüssel, Ketten,
Sicheln, Sensen und Pflugscharen.
Geräte und Schmuck aus Buntmetall wurden in speziellen Formen aus Ton oder
Sandstein gegossen. Viele der Schmuckstücke wurden mit Ornamenten in
Filigran-, Granulations- und Tauschiertechnik versehen. Nicht selten waren
auch aufgelötete Silberbleche. Im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus kam
durch die Kontakte mit dem römischen Reich die
Feuervergoldung hinzu.
Die Keramik für den täglichen Gebrauch, Webgewichte und Spinnwirtel wurden
wahrscheinlich direkt bei den Gehöften im offenen Feuer oder in Brennöfen
gebrannt. Vom l. bis zum 3. Jahrhundert nach Christus wurden die Gefäße
handgefertigt, erst im 4. Jahrhundert begannen die Germanen die Keramik auf
der Drehscheibe herzustellen. Charakteristisch ist die Schwarzfärbung und
die Vielfalt an Verzierungsmotiven wie z.B. der Warzendekor vor allem bei
den handgeformten Gefäßen.
Hand- und Drehmühlen aus Felsgestein, Granit oder Basaltlava wurden vor Ort
hergestellt oder als Fertigprodukte importiert.
Oft reichten die handwerklichen Betätigungen weit über den Eigenbedarf
hinaus. Der Zimmermann, der Drechsler und der Tischler sowie der Wagenbauer
und der Böttcher dürften wie der Schmied, der Bronzegießer und der Töpfer
mehrere Gehöfte in der Umgebung versorgt haben.
Hausrat
In den germanischen Siedlungen des nördlichen Mitteldonaugebietes konnten
zahlreiche Hausratsgegenstände nachgewiesen werden. Dazu gehören Gefäße aus
Ton, Messer, Schlüssel, Äxte und Werkzeuge aus Eisen, Metall- und
Glasgefäße, Webgewichte und Spinnwirtel sowie Mahl-, Schleif- und
Wetzsteine. Nicht erhalten haben sich Möbel, Geräte oder Gefäße aus Holz.
Seltener wurden Trachtgegenstände, Schmuck oder Waffen gefunden. Diese
stellten charakteristische Grabbeigaben dar.
Besonders wichtig ist die Keramik, da sie zum Zubereiten und Kochen von
Speisen, zum Trinken und Aufbewahren von Vorräten gedient hat. Neben
handgeformten Gefäßen aus der Eigenproduktion fanden sich auch über den
Handel erworbene scheibengedrehte Gefäße aus den römischen Provinzen.
Vor allem in grenznahen Gebieten bestand zwischen den primär auf
Selbstversorgung ausgerichteten Gehöften und den römischen Provinzen eine
rege Handelstätigkeit. Antike Schriftsteller berichten, dass die Römer
Gänsedaunen, Seife - sehr begehrt war die Seife von den Batavern -, blondes
Frauenhaar für Perücken, Bernstein zur Schmuckerzeugung sowie Felle und
Häute aus Germanien importierten. Im Gegenzug kauften Germanen auf römischen
Märkten feines Tafel- und Gebrauchsgeschirr, Metall- und Glasgefäße,
Trachtzubehör wie Gürtel, Fibeln und Schmuck. Besonders begehrt war die
Terra Sigillata, ein rotfarbenes Luxusgeschirr. Gleichzeitig wurden auch
römische Tisch- und Speisesitten übernommen. Die Marktplätze lagen zumeist
im Umfeld der römischen Grenze, die römischen Händler dürften neben der
lateinischen Sprache auch germanische Dialekte beherrscht haben.
Tracht
Die Kleidungs-, Haar- und Barttracht der Germanen ist uns von Moorleichen
aus Norddeutschland und Dänemark sowie vornehmlich durch Berichte römischer
Autoren und von römischen Staatsdenkmälern, wie z.B. von der Marcus Aurelius
Säule in Rom, und von den römischen Grabsteinen bekannt.
Die Frauen trugen lange ärmellose Kleider, die an den Schultern durch Fibeln
zusammengehalten und um die Hüften gegurtet waren. Darunter wurden
Ärmeljacken getragen. Umhänge, die an der Schulter mit einer Fibel
zusammengeheftet waren, ergänzten das Gewand. Das Haar wurde von einem Netz
oder Kopftuch zusammengehalten und mit einer Nadel festgesteckt.
Die Männer waren mit langen Hosen oder mit Kniehosen bekleidet, die durch
Leder- und Wollgürtel gehalten wurden. Als Oberbekleidung dienten hemdartige
Kittel, darüber zuweilen viereckige Umhänge, die an der rechten Schulter von
einer Fibel gehalten wurden. Das Haupthaar und den Bart pflegte man mit
Rasiermessern und Kämmen. Vor allem bei den Elbgermanen wurde das Haar von
der linken Seite her gekämmt und über der rechten Schläfe zusammengeknotet (sogenannter
Suebenknoten).
Die Waden wurden bis zum Knie durch Wadenbinden geschützt. An den Füßen
trugen Männer und Frauen Bundschuhe aus Leder.
Religion und Totenkult
Über die religiösen Vorstellungen der germanischen Stämme ist sehr wenig
bekannt. Überlieferungen von antiken Schriftstellern, archäologische Befunde
aus Siedlungen, Gräberfelder und Hortfunde spiegeln dieses Thema nur
ansatzweise wider. Häufig sind Plätze überliefert, an denen Objekte, Tiere
und auch Menschen aus religiösen Gründen geopfert wurden. Diese sind vor
allem im südlichen Skandinavien und nördlichen Mitteleuropa bekannt. Sie
wurden meist von mehreren Siedlungen oder Stämmen als Heiligtümer genutzt.
Einer der bekanntesten Plätze im nördlichen Mitteleuropa ist z.B. der
Mooropferplatz von Oberdorla in Thüringen, der vom 6. Jahrhundert vor
Christus bis ins 10./11. Jahrhundert nach Christus benutzt wurde. Dort
wurden im See und entlang des Ufers zahlreiche Opferstellen entdeckt, die
durch Stocksetzungen oder Flechtwerkzäune eingegrenzt waren. Neben
anthropomorphen Holzfiguren unterschiedlicher Form wurden die Reste von 334
Tieren und 40 Menschen gefunden. Außerdem hat man Tongefäße, Kult- und
Arbeitsgeräte, Radteile, Fischreusen, Flachsbündel, Steine und
Zimmermannswerkzeug ausgegraben.
Ganze Heeresausrüstungen wurden auf den Mooropferplätzen im
südskandinavischen Raum wie Thorsberg, Vimose, Ejsbpl und Illerup
niedergelegt.
Auch in den ländlichen Siedlungen gab es Einrichtungen, von denen man
annehmen darf, dass sie gemeinschaftlich religiös genutzt wurden, wie die
Versammlungshalle auf der Feddersen Wierde in Norddeutschland.
Einen religiösen Hintergrund dürften auch die Bestattungen von
Säuglingsskeletten unter den Hausherden, in den Ställen oder Brunnen der
kaiserzeitlichen Siedlungen des Nordsee-Küstengebietes haben. Oft wurden als
Bauopfer auch Haustiere in der Nähe des Herdes, der Hauswände oder unter den
Türschwellen deponiert.
Mit einer Niederlegung im Moor dürfte auch das reiche Zaumzeug von Mödring
im nordöstlichen Waldviertel in Verbindung stehen. Auch manche Gefäßformen
könnten im kultischen Zusammenhang benutzt worden sein.
Bestattungssitten
Die Toten wurden in der Regel in der Nähe der Siedlung - oft in Sichtweite -
bestattet. In den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus dominierte die
Brandbestattung gegenüber der Körperbestattung. Die Toten wurden auf
Scheiterhaufen verbrannt, das Knochenklein in tönernen Urnen, Holzbehältern,
Beuteln oder Metallgefäßen beigesetzt. Trachtbestandteile
und Grabbeigaben wie Schmuckstücke, Waffen oder Keramik wurden mitverbrannt
oder erst nachträglich ins Grab beigegeben. Oft hat man diese Gegenstände
absichtlich unbrauchbar gemacht.
Grabsteine mit germanischen Namensnennungen in den römischen Provinzen
weisen auf Bestattungen von Germanen hin, die von den Römern umgesiedelt
oder als Sklaven erworben wurden.
Vereinzelt finden sich auch in der älteren römischen Kaiserzeit
Körpergräber, die meist überdurchschnittlich reich ausgestattet waren und
mit der sozial höher stehenden Bevölkerungsschicht verbunden werden können.
Ab dem 3. Jahrhundert nach Christus setzte sich bei den Germanen die
Körperbestattung vermehrt durch, wobei Leichenbehältnisse aus Holz u. ä.
kaum nachgewiesen sind. Den Toten wurde außer Nahrung in Form von Fleisch,
Brei, oder Getränken ihr persönliches Eigentum wie Fibeln, Gürtel mit
Metallbeschlägen, Messer, Scheren, Spindeln, Toilettebestände, aber auch
Waffen oder Holzkästchen mit Schlüsseln mitgegeben.
Gesellschaftsstruktur
Die kleinste Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft war die Familie. Neben
Eltern und Kindern lebten auch unverheiratete Geschwister und Großeltern am
Hof. Zur Hausgemeinschaft gehörte auch das Gesinde, im wesentlichen Unfreie,
die wahrscheinlich nicht nur im Hauptgebäude sondern auch in Nebengebäuden
untergebracht waren. Die Zahl der auf einem Hof lebenden Personen war von
seiner Größe abhängig, man darf an 8 bis 15 Personen denken.
Den Mittelpunkt eines Hauses bildete die Feuerstelle. Vergrößerte sich ein
Gehöft bzw. nahmen die Feuerstellen innerhalb eines Hauses zu, sind mehrere
Kleinfamilien unter einem Dach anzunehmen, die von Fall zu Fall auch eigene
Betriebe auf demselben Hofgelände gegründet haben konnten. Die
fortschreitende generationenmäßige Teilung eines
Familienverbandes und der Besitzanteile konnte zur Bildung einer Großfamilie
oder Sippe führen, die mehrere Haushalte umfassen konnte. Zur Großfamilie
gehörten Unfreie und Sklaven, kriegsgefangene Römer und Angehörige fremder
Stämme.
Der Reichtum eines Gehöftes und seiner Bewohner beruhte auf der Anzahl der
Haustiere und der Größe der Acker- und Weideflur. Eine soziale
Differenzierung lässt sich nachweisen, wenn sich ein Gehöft durch Lage und
Form von den übrigen abhob. In Feddersen Wierde bildete sich am Rande des
Dorfes ein „Herrenhof' heraus, der durch Viehreichtum, Handel und Handwerk
nach und nach eine führende Position erlangte.
Für die Organisation von Neuland und dessen Aufteilung sowie für die
Götterverehrung im Jahreskreislauf dürfte es überregionale Verbände gegeben
haben. Die einzelnen Familien, Großfamilien fühlten sich einem Stamm
zugehörig, der mehrere Talschaften umfassen konnte. Zur inneren Struktur
eines Stammes gehörte die Volksversammlung, die aus allen freien Männern
bestand. Sie stimmten über die Stammesangelegenheiten ab bzw. wählten aus
den führenden Familien die Priester und die Stammesführer, die auch die
Verhandlungen mit dem römischen Kaiser oder mit den römischen Gesandten
führten. Meist gehörten mehrere Stämme zu größeren Stammesverbänden, die
durch die gemeinsame Abkunft von einem Gott kultisch (z.B. Nerthus-Kult),
durch politischen Anschluss oder durch militärische Unterwerfung entstanden
sein konnten.
Die Runen
Das Leben der Germanen ist eigentlich nur durch Texte römischer
Schriftsteller und durch das archäologische Fundgut bekannt. Die Germanen
entwickelten zwar eine eigene Schrift - die Runen -, diese wurden aber nur
für kurze Inschriften mit magischem oder religiösem Inhalt oder mit
Personennamen verwendet, die auf Lanzenspitzen, Schildbuckeln und
Schwertortbändern sowie auf Trachtbestandteilen eingeritzt waren. Zentrum
der Runenschöpfung war wohl Skandinavien, wo auch die ältesten
Runeninschriften gefunden wurden und an das Ende des 2. Jahrhundert nach
Christus gehören. Im Mitteleuropa setzten sie erst vereinzelt im 4. und 5.
Jahrhundert ein, die Masse der südgermanischen Inschriften stammt aus dem 6.
und 7. Jahrhundert nach Christus.
Experimentelle Archäologie
Bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten Forscher praktische
Experimente an, um so Aussagen über die technischen Möglichkeiten von
vergangenen Kulturen untermauern zu können.
In unseren Tagen beziehen sich die Fragen der Archäologen vor allem auf die
Alltagskultur der Menschen, ihre Aktivitäten, Siedlungsgewohnheiten und
Überlebensstrategien. Bei der Beantwortung dieser Fragen stützt sich die
moderne Forschung zunehmend auf die Ergebnisse der Experimentellen
Archäologie, um Erklärungen und Interpretationen von Grabungsbefunden zu
überprüfen.
Archäologische Experimente werden vor allem zu den Bereichen Hausbau
(Baumaterialien, Konstruktion), Landwirtschaft (Bodenbearbeitung, Anbau,
Lagerung), Technologie (Gewinnung von Rohstoffen wie Metallen, Teer, Glas)
und Handwerk (Holz- und Beinverarbeitung, Metallurgie, Glas- und
Keramikherstellung, Textil- und Lederbereich) angesetzt. Aber es gibt auch
Versuche zum Transportwesen, zur Trageweise von Kleidungsstücken oder zum
Anlegen von Grabhügeln usw. Dabei wird versucht, Arbeitsergebnisse unter
gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Bedingungen wie in der Vorzeit zu
erreichen.
Am Beginn eines archäologischen Experiments steht eine Forschungsfrage. Die
Experimentelle Archäologie verwendet naturwissenschaftliche
Dokumentationstechniken. Wenn die Ergebnisse der Versuche letztlich auch
keinen Beweischarakter haben, geben sie uns doch eine gute Vorstellung vom
Alltagsleben der Vergangenheit, mit der wir uns wohl bei vielen Fragen
weitgehend an die historische Realität annähern können. Mittelpunkt der
Experimentellen Archäologie bleibt immer der Mensch mit seinen Fähigkeiten,
seinen Problemen und mit seinen Lösungsstrategien.
Rekonstruktionen von Gebäuden
Jede Gebäuderekonstruktion sollte sich auf einen konkreten archäologischen
Befund beziehen.
Hausmodelle in Originalgröße haben gegenüber rein graphischen oder stark
verkleinerten Modellen den Vorteil, dass sich bei ihrem Bau unbrauchbare
Konstruktionen empirisch selber ausschließen. Eine intensive
Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Stand der Bau- und Siedlungsforschung,
der Wirtschaftsweise der entsprechenden Zeit und den handwerklichen
Möglichkeiten der Menschen durch intensives Studium der auf uns gekommenen
Werkzeuge und Befunde, sowie der Baumaterialien ist heute Voraussetzung für
einen wissenschaftlich vertretbaren Wiederaufbau. Der Beweis, dass eine für
gut befundene Konstruktionsvariante auch in der Vorzeit genau so erbaut
worden ist, kann nicht erbracht werden. Rekonstrukteure müssen sich damit
bescheiden, denkbare Konstruktionsvarianten aufzuzeigen, die sich auch in
der Praxis umsetzen lassen.
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